werk.um architekten – Nachhaltig bauen mit Holz und Haltung
Das Architekturbüro werk.um architekten aus Darmstadt plant und realisiert vor allem nachhaltige Holz- und Holzmodulbauten wie Schulen, Kindergärten und Wohnprojekten. Fokus der Architekt*innen liegt auf Suffizienz, Bestandserhalt und ökologisch durchdachten Lösungen. Werk.um arbeitet nach der Maxime „Anders – Besser – Weniger“. Weniger Technik, natürliche Materialien, einfache und flexible Gebäude – das sorgt für robuste, langlebige Architektur mit niedrigem ökologischen Fußabdruck und hohem Nutzerkomfort.

INTERVIEWERIN
Was ist aus eurer Sicht suffizienzorientiertes Wirtschaften?
wERK.UM
Ich glaube, Suffizienz funktioniert am Ende nur im Zusammenspiel – also im System. Es reicht nicht, einzelne Angebote oder Produkte auf den Markt zu bringen. Vielmehr braucht es ein Umfeld, das Menschen überhaupt ermöglicht, suffizient zu leben.
Nehmen wir das Beispiel Bauen: Wir unterscheiden da immer zwischen Hardware und Software. Wir können Gebäude planen und bereitstellen, die suffizient genutzt werden können – das ist die Hardware. Aber wie sie genutzt werden, liegt bei den Bewohner*innen. Eine Vierzimmerwohnung kann eine WG beherbergen – oder auch von einer Einzelperson bewohnt werden. Damit sie suffizient genutzt wird, braucht es die passende 'Software' drumherum.
Das kann zum Beispiel durch Anreize geschehen – etwa günstigere Mieten bei kleinerem Wohnraum. Oder auch durch Regelungen und Förderprogramme, die suffizientes Verhalten stärken. Denn ich kann nicht erwarten, dass Menschen in eine kleinere Wohnung ziehen, wenn sie dafür nicht weniger Miete zahlen. Und ich kann auch nicht erwarten, dass sie auf ein Auto verzichten, wenn der öffentliche Nahverkehr nicht funktioniert. Was ich sagen will: Suffizientes Wirtschaften braucht mehr als nur ein gutes Produkt. Es braucht passende Geschäftsmodelle, politische Rahmenbedingungen, Förderungen und eine gemeinsame gesellschaftliche Absicht. Nur dann kann das wirklich funktionieren – und das kann niemand alleine leisten.
"Suffizientes Wirtschaften braucht mehr als nur ein gutes Produkt. Es braucht passende Geschäftsmodelle, politische Rahmenbedingungen, Förderungen und eine gemeinsame gesellschaftliche Absicht."
INTERVIEWERIN
Als ihr angefangen habt, suffizienzorientiert zu bauen, welche Herausforderungen und Konflikte sind da in diesem Zusammenhang entstanden?
wERK.UM
Ich sammle einfach mal, was mir so durch den Kopf geht – denn die Konflikte, mit denen wir zu tun haben, sind vielfältig. Ein häufiger innerer Konflikt ist zum Beispiel: Wir als Architekt*innen finden, dass ein Bestandsgebäude erhalten werden sollte – der Bauherr oder die Bauherrin möchte aber lieber neu bauen. Wir versuchen dann zu überzeugen, zeigen Möglichkeiten auf. Aber wenn das nicht gelingt, akzeptieren wir das irgendwann. Denn oft lohnen sich Sanierungen unter den aktuellen Rahmenbedingungen schlicht nicht – politisch gesetzte Regeln, auf die wir nur wenig Einfluss haben.
Dann gibt es strukturelle Konflikte: Wenn wir Menschen dazu bringen, weniger zu bauen, verdienen wir weniger – weil unser Honorar an die Bausumme gekoppelt ist. Das passt schwer zu einem nachhaltigen Ansatz. Und doch sehen wir unsere Arbeit als Dienstleistung. Wenn jemand zu uns kommt und sagt: ‚Ich will ein Haus bauen‘, dann beraten wir ehrlich – auch mit dem Hinweis: ‚Vielleicht ist weniger besser‘. Aber wenn sie sich dennoch entscheiden zu bauen, machen wir unsere Arbeit. Am Ende müssen auch wir von etwas leben.
INTERVIEWERIN
Wie würdet ihr die Wachstumsstrategie von werk.um beschreiben? Habt ihr eine Wachstumsstrategie oder wie wollt ihr in Zukunft wachsen?
wERK.UM
Ehrlich gesagt: Wir haben keine formulierte Wachstumsstrategie. Es ist nicht so, dass wir nicht wachsen wollen – besonders mit den Dingen, bei denen wir überzeugt sind, dass sie sinnvoll und richtig sind. Aber es gibt keinen festen Plan, kein ‚So und so viel Prozent pro Jahr‘. Wir bewegen uns eher entlang der Themen und Aufträge, bei denen wir glauben, einen Beitrag leisten zu können. Einerseits sehen wir Wachstumspotenzial im „Inneren“: Wir achten auf die Qualität unserer Arbeit, das Wohlbefinden unserer Mitarbeitenden und die Kultur in unserem Unternehmen. Andererseits sehen wir auch wirtschaftliches Potenzial im „Äußeren“, indem wir beispielsweise das suffizienzorientierte Bauen durch Aufträge und Beratung verbreiten und dadurch wachsen. Sind wir in den letzten Jahren gewachsen? Ja, wenn man auf die letzten zehn Jahre schaut, haben wir uns ungefähr verdoppelt. Wobei das ehrlicherweise nicht nur mit Umsatzsteigerungen in Suffizienzprojekten zu tun hat. Eigentlich fühlen wir uns mit unserer aktuellen Größe ganz wohl. Sie passt gut zu unserer Kultur, funktioniert sozial. Wenn aber morgen jemand sagt: ‚Wir brauchen eine nachhaltige Stadt – könnt ihr die bauen?‘, dann würden wir sagen: Klar. Und bei Bedarf weiter wachsen.