OHNI - Mit geretteten Lebensmitteln Bewusstsein schaffen
OHNI steht in der Schweiz für kreatives, pflanzenbasiertes Event-Catering mit ökologischem Anspruch. Im Kanton Bern bieten sie Verpflegung bei Events mit saisonalen, biologischen Zutaten und möglichst geringem Abfall. Ihr Permakultur-Garten liefert Kräuter, Gemüse, Früchte und essbare Blüten, die sie nicht nur als Zutaten, sondern auch als Dekoration nutzen. Für OHNI ist Nachhaltigkeit ein integraler Bestandteil: von der regionalen Lieferung (stets mit Car-Sharing) bis zur Gestaltung des Buffets.

INTERVIEWER
Was ist der Zweck eures Unternehmens?
OHNI
Das ist gar nicht so leicht zusammenzufassen. Ursprünglich wollten wir einfach einen Unverpacktladen eröffnen – das haben wir vor rund fünf Jahren gemacht. Uns war aber schnell klar, dass wir damit allein kaum überleben können. Deshalb kam die Idee, zusätzlich kleine Caterings und Abholplatten anzubieten – vor allem rund um das Thema Foodsave.
Ich wusste, dass im Laden immer wieder Lebensmittel anfallen würden, die bald ablaufen oder gerettet werden können. Daraus entstand die Idee eines Kreislaufsystems: Wir bauen auf rund 600 Quadratmetern selbst Gemüse, Kräuter, Früchte und Blüten an, bieten Gemüseabos an und verwerten Überschüsse weiter. Einmal pro Woche gab es zum Beispiel ein Foodsave-Buffet – die Leute konnten mit Mehrweggeschirr vorbeikommen und sich für einen kleinen Betrag Essen mitnehmen. Was am Ende übrig blieb, haben wir noch selber gegessen und was gar nicht weg kam, ging auf unseren eigenen Kompost.
Uns ging es also nie nur um Plastikvermeidung, sondern darum, dass Lebensmittel wirklich im Kreislauf bleiben und nichts im Müll landet. Der eigentliche Zweck unseres Unternehmens ist deshalb: Bewusstsein zu schaffen – für Umwelt, Ressourcen und unseren eigenen Konsum.
"Der eigentliche Zweck unseres Unternehmens ist deshalb: Bewusstsein zu schaffen – für Umwelt, Ressourcen und unseren eigenen Konsum."
INTERVIEWER
Welche Konflikte habt ihr bei der Umsetzung der Suffizienzmaßnahmen erlebt?
OHNI
Der größte Konflikt ist wohl, dass Nachhaltigkeit nicht erfolgsorientiert ist. Es geht eben nicht darum, möglichst viel zu verkaufen, sondern langfristig Wirkung zu erzielen – und das macht es wirtschaftlich schwierig. Wir mussten vieles über Crowdfunding oder private Gelder finanzieren, weil Banken bei solchen Konzepten sofort fragen: Wie wollt ihr das zurückzahlen? Nachhaltige Projekte tragen sich oft erst nach Jahren. Die ersten fünf sind hart.
Ein weiteres Problem ist die Bequemlichkeit: Nachhaltige Alternativen sind oft umständlicher und kosten manchmal mehr. Viele Menschen wollen schnelle Ergebnisse, sehen aber nicht, dass echter Wandel Zeit braucht. Es ist wie einen Baum zu pflanzen – die Frucht kommt erst Jahre später.
Mich frustriert, wie fest wir in alten Mustern stecken: perfekter Rasen statt Unkraut und Laub, das abtransportiert wird, obwohl es Humus schaffen könnte. Die Natur liefert uns alles, wenn wir sie lassen würden – aber wir kaufen lieber Produkte, die uns Arbeit abnehmen sollen. Das ist das Paradox: Wir geben Geld aus, um Zeit zu sparen, statt Dinge selbst zu tun, die uns und der Umwelt guttun würden.
INTERVIEWER
Was habt ihr durch den Suffizienzfokus gewonnen? Also ihr seid ja schon von Anfang an suffizienzorientiert, aber was habt ihr dadurch gewonnen?
OHNI
Sehr viele Menschen, die an das glauben, was wir tun. Wir haben vier Jahre lang durchgehalten, und jetzt merken wir, dass sich das auszahlt. Heute kommen viele Anfragen von selbst, wir müssen kaum Marketing machen und können auswählen, welche Aufträge wir annehmen. Das Wichtigste, was wir gewonnen haben, ist Glaubwürdigkeit. Wir ziehen unsere Prinzipien konsequent durch und weichen kaum davon ab – auch wenn es manchmal verlockend wäre. Natürlich gibt es Situationen, in denen wir mit großen Firmen arbeiten, die uns aus Imagegründen buchen – das ist dann wohl unser Anteil an „Greenwashing“. Aber wir bleiben dabei: Wir setzen um, was wir sagen. Dadurch, dass wir vegan unterwegs sind, ist vieles aufwendiger. Wir können viele Produkte nicht einfach bestellen, sondern müssen sie selbst herstellen. Das heißt: Wir wissen genau, was drin ist, haben die volle Kontrolle – aber es ist automatisch teurer für die, die uns buchen. Wenn sie’s trotzdem tun, umso besser.