NESTBAU AG - Wohnen neu denken
Die nestbau AG wurde 2010 von Gunnar Laufer-Stark als erste gemeinwohlorientierte Aktiengesellschaft im Immobilienbereich gegründet. Das Unternehmen bündelt Kapital von Kleinanleger*innen, um bezahlbaren Mietwohnraum zu schaffen und so der Wohnungsnot sowie Immobilienspekulation entgegenzuwirken. Neben dem Bau und der Vermietung eigener Projekte ist die nestbau AG auch in der Beratung und Projektierung für weitere gemeinwohlorientierte Bauvorhaben tätig.

INTERVIEWER
Was macht die nestbau AG zu einem suffizienzorientierten Unternehmen?
nestbau AG
Ein zentraler Punkt ist sicher, dass wir die Gewinnerwartungen der Aktionär*innen bewusst begrenzen. Von Anfang an war klar, dass es nicht um maximale Rendite geht, sondern um eine maßvolle wirtschaftliche Entwicklung mit gesellschaftlicher Wirkung. Das haben wir immer offen kommuniziert.
Das zeigt sich auch in unserer aktuellen Aktionärsumfrage: Auf einer Skala von 0 bis 10 gaben die Teilnehmenden der gesellschaftlichen Wirkung im Durchschnitt 9,1 Punkte, während die finanzielle Rendite nur 4,5 Punkte erreichte. Das bestätigt, dass unsere Investor*innen genau diesen Ansatz teilen – Wirkung vor Gewinn.
"Von Anfang an war klar, dass es nicht um maximale Rendite geht, sondern um eine maßvolle wirtschaftliche Entwicklung mit gesellschaftlicher Wirkung."
INTERVIEWER
Welche Herausforderungen begegnen euch bei der Umsetzung von Suffizienzmaßnahmen?
nestbau AG
Das größte Spannungsfeld liegt zwischen gesellschaftlicher Wirkung und Rendite. Wir könnten unsere Zielgruppe vergrößern, wenn wir höhere Zinsen zahlen würden – würden dabei aber unsere Werte aufgeben. Viele Investor*innen sehen ihre Anlage eher ideell, das schränkt den Kreis potenzieller Beteiligter ein.
Herausfordernd ist auch die Sensibilisierung für Wohnraumbedarf. Wenn wir aufzeigen, dass große Wohnungen im Alter oft untergenutzt sind, wird das schnell als persönliche Kritik verstanden – dabei geht es um Strukturen, nicht um individuelles Verhalten. Und schließlich ist da der Erklärungsaufwand: Steigende Baukosten führen zu Mieten, die auf den ersten Blick hoch wirken. Wir müssen viel Überzeugungsarbeit leisten, um zu zeigen, dass gemeinschaftliches, barrierefreies Wohnen langfristig dennoch fair und nachhaltig ist – auch wenn diese Arbeit selten bezahlt wird.
INTERVIEWER
Und was wünscht ihr euch von der Politik?
nestbau AG
Vor allem eine stärkere kommunale Wohnraumpolitik. Wir brauchen wieder mehr öffentlichen Wohnraum, anstatt weiter zu privatisieren.
Zweitens sollte es bei Förderprogrammen eine klarere Differenzierung geben zwischen profitorientierten Unternehmen und gemeinwohlorientierten Akteuren, die zum Teil ehrenamtlich arbeiten und Gewinnausschüttungen begrenzen oder ganz auf diese verzichten. Gerade im Bereich Wohnraumförderung wäre das entscheidend, denn Wohnen ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge – kein Luxusgut, auf das man einfach verzichten kann.