Grüne Erde - Natürlich wohnen mit Verantwortung und Bestand
Das österreichische Unternehmen Grüne Erde entwickelt und produziert seit 1983 Möbel, Mode, Kosmetik und Heimtextilien wie Sofas und Matratzen aus nachwachsenden Naturmaterialien, gefertigt in regionalen Werkstätten mit höchstem handwerklichem Anspruch. Zeitloses Design, kompromisslose Qualität und transparente Lieferketten bilden das Fundament der Marke. Mit zahlreichen Zertifizierungen und Gütesiegeln schafft Grüne Erde Vertrauen und zeigt: Nachhaltigkeit, Ästhetik und Verantwortung gehören untrennbar zusammen – seit über 40 Jahren.

INTERVIEWERIN
Was macht Ihr Unternehmen zu einem suffizienzorientierten Unternehmen?
GRÜNE ERDE
Wir verzichten bei unseren Möbeln bewusst auf Metall, Plastik und synthetische Oberflächen. Stattdessen ölen und wachsen wir. Also nicht wachsen im Sinne von größer werden, sondern wir tragen – wie es über Jahrhunderte üblich war – Bienenwachs auf die Oberfläche auf. Das macht die Oberflächen atmungsaktiv, langlebig und leicht zu pflegen.
Unsere Möbel sind außerdem zerlegbar, können 20–30 Umzüge überstehen und bei Bedarf repariert oder nachproduziert werden. Macken lassen sich einfach ausschleifen und neu ölen – danach sehen die Möbel wieder aus wie neu. Im Gegensatz dazu sind herkömmliche Möbel oft nach zwei Umzügen kaputt. Unser Anspruch ist: Möbel sollen so lange halten, wie ein Baum zum Nachwachsen braucht – also 70 bis 120 Jahre. Als Vorbild dienen uns Jugendstilmöbel, die auch nach 125 Jahren noch funktionieren, weil man sie immer wieder überarbeiten kann.
"Möbel sollen so lange halten, wie ein Baum zum Nachwachsen braucht – also 70 bis 120 Jahre."
Bei Heimtextilien ist das natürlich schwieriger: Eine Matratze ist nach 8–12 Jahren hygienisch abgenutzt und sollte ersetzt werden. Darüber hinaus bieten wir unseren Kund*innen eine lebenslange Garantie, wobei das lebenslang sich auf das „Leben“ des Produktes bezieht, nicht auf das Leben der Kund*innen.
INTERVIEWERIN
Und wie lange ist das?
GRÜNE ERDE
Bei den Möbeln würde ich sagen 35 Jahre. Und wenn es ein bisschen drüber ist und wir haben das Gefühl, es lag an uns, dass das Möbel kaputt gegangen ist, dann machen wir es in Kulanz. Bei einem Leinentuch, Kissenbezug und so weiter drei Jahre, Matratzen acht Jahre. Also da definieren wir einfach Lebenszeiten von Produkten und in dieser Zeit gibt es anstandslos Austausch, Reparatur und im Extremfall auch Geld zurück. Das ist unsere lebenslange Garantie, die sich an der Lebensdauer des Produktes orientiert.
INTERVIEWERIN
Gibt es sonst noch Aspekte, die Ihr Unternehmen zu einem suffizienzorientierten Unternehmen machen?
GRÜNE ERDE
Wir betreiben Lobbyismus und Aktivismus für wachstumsunabhängige Strukturen – allerdings sehr dezent. Wir unterstützen Attac, Fridays for Future und ähnliche NGOs im
Umwelt- und Ökologie-Bereich, ohne das offensiv nach außen zu tragen. Wir verleugnen es nicht, aber wir stellen es auch nicht in den Vordergrund. Bei Fridays For Futures waren wir aktiver: Während der Streikzeiten von 12 bis 14 Uhr war unser Geschäft zwar geöffnet, aber wir berieten und verkauften nicht. Stattdessen gab es Kaffee und Gespräche mit unseren Mitarbeiter*innen über Klimawandel und Nachhaltigkeit. Damit wollen wir ein Zeichen setzen und bewusst Raum für Austausch schaffen.
INTERVIEWERIN
Gibt es Faktoren, die die Umsetzung von Suffizienz erleichtern?
GRÜNE ERDE
Die Frage kommt überraschend, darüber habe ich mir bisher kaum Gedanken gemacht. Oft fühlt es sich an, als würden wir gegen den Strom schwimmen. Gleichzeitig spüren wir im deutschsprachigen Raum aber Rückenwind – durch die Klima- und Umweltdiskussion sowie die ökologische Tradition. Dadurch genießen wir viel Vertrauen. Man sieht uns als „everyone’s Darling“, was Glaubwürdigkeit, Werte und Ethik betrifft. Das erleichtert unsere Arbeit deutlich. In diesem Punkt kämpfen wir also nicht gegen Windmühlen.