MONTREET - Mit nachhaltiger Kleidung Verantwortung tragen
Aus der Überzeugung heraus, dass die Modeindustrie neue Wege braucht, setzt MONTREET auf ehrliche Produktion, Zero-Waste-Prinzipien und faire Fertigung in der Ukraine und Portugal. Jedes Stück wird sorgfältig durchdacht, ressourcenschonend hergestellt und ist auf Langlebigkeit ausgelegt. Mit Sitz in Wien gestaltet MONTREET seit 2018 die Zukunft nachhaltiger Sport- und Outdoormode. Unter dem Motto „Don’t change who you are – just start wearing green“ steht MONTREET für bewussten Konsum, kreative Verantwortung und Kleidung, die Haltung zeigt.

Credits: Tessa Viktoria Kutsam
INTERVIEWERIN
War MONTREET von Anfang an so suffizienzorientiert ausgerichtet?
MONTREET
Nein, von Anfang an war uns der Begriff Suffizienz gar nicht bekannt. Rückblickend bin ich aber ein bisschen stolz, dass wir intuitiv schon sehr ganzheitlich gedacht und gehandelt haben – ohne das Wort dafür zu kennen. Natürlich hat sich über die Jahre vieles entwickelt. Seit unserem Start 2018 hatten wir verschiedene Mitarbeitende, die neue Ideen eingebracht haben. Es gab auch Phasen, in denen der Umsatz stark gestiegen ist und wir viel mit Online-Kampagnen gearbeitet haben. Das passte damals gut, fühlte sich aber irgendwann nicht mehr richtig an. Wir wollten nie mit Prozenten oder Rabatten werben, sondern immer mit einem nachhaltigen Ansatz. Es gab auch kleine Give-aways mit Mehrwert, etwa Anleitungen zur Produktpflege. Heute verzichten wir komplett auf Onlinewerbung – sie bringt aus unserer Sicht nichts mehr und passt nicht mehr zu unserer Haltung.
INTERVIEWERIN
Welche Suffizienzmaßnahmen wendet ihr an?
MONTREET
Zum einen natürlich unsere nachhaltige, vegane und langlebige Kleidung. Dann haben wir einen Verleih-Service, bei dem man Teile für kurze Zeit oder probeweise mieten kann, und die erste Reparatur ist kostenlos. So wird Kleidung wirklich genutzt statt ersetzt.
Auch unsere Preisgestaltung folgt dem Prinzip echter Kosten – ohne große Gewinnaufschläge, damit die Preise fair bleiben. Darüber hinaus wollen wir Bewusstsein schaffen. In Workshops oder auf Social Media sprechen wir über kritischen Konsum. Heute haben wir zum Beispiel eine „Anti-Konsum-Weihnachtsliste“ gepostet – und trotzdem kam gleich eine Bestellung. Offenbar erreicht das Menschen. Und zuletzt: Wir halten unser Team bewusst klein. Für uns ist das auch eine Form von Suffizienz – lieber mit den richtigen Menschen langfristig arbeiten, als krampfhaft wachsen zu wollen.
"Es fühlt sich gut an, in einem Tempo zu arbeiten, das sich richtig anfühlt, statt permanent dem nächsten Wachstums- schritt hinterherzulaufen."
INTERVIEWERIN
Und was habt ihr durch den Fokus auf Suffizienz dazugewonnen?
MONTREET
Einiges, würde ich sagen. Zum einen hat sich verändert, wie uns die Leute sehen. Viele empfinden uns inzwischen eher wie eine gute Freundin oder einen guten Freund – nicht wie eine Marke, die ihnen ständig etwas verkaufen will. Das ist schön, weil dadurch eine ehrlichere, entspanntere Beziehung entsteht. Zum anderen haben wir selbst an Wohlbefinden gewonnen – als Menschen, als Team. Es fühlt sich gut an, in einem Tempo zu arbeiten, das sich richtig anfühlt, statt permanent dem nächsten Wachstumsschritt hinterherzulaufen.
Und, um ehrlich zu sein: Wir haben auch überlebt. Ich klopfe da jedes Mal auf Holz. Wenn man sieht, wie viele Modeunternehmen in den letzten Jahren Insolvenz anmelden mussten – gerade jene ohne suffizienten Ansatz – bin ich froh, dass wir noch da sind. Wir wachsen langsam, manchmal etwas wackelig, aber stetig. Und genau das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das heißt nicht, dass wir stillstehen. Aber dieses „zu schnelle Wachsen“ und die reine Jagd nach Liquidität – das war nie mein Ziel. Ich wusste anfangs nicht, dass unser Weg so aussehen würde, aber heute bin ich wirklich zufrieden. Natürlich kann immer alles besser laufen, aber wir haben ein Dach über dem Kopf, ein Büro, ein tolles Team – und wir leben noch. Das allein ist schon großartig.