Rymhart - Mit Handwerk und Haltung gegen Wegwerfmode
Rymhart ist ein Strickwarenhersteller aus Stade an der Elbe, der sich auf robuste, langlebige Pullover und Strickprodukte spezialisiert hat. Das Unternehmen steht für traditionelles Handwerk, regionale Fertigung und funktionales Design. Alle Stücke werden vor Ort produziert – mit Fokus auf Haltbarkeit, einfache Pflege und zeitlose Formgebung. Rymhart verbindet norddeutsche Handwerkskunst mit einem klaren Anspruch an Qualität und Beständigkeit.

INTERVIEWERIN
Was ist aus eurer Sicht suffizienzorientiertes Wirtschaften?
Rymhart
Suffizienzorientiertes Wirtschaften bedeutet für mich, mit Ressourcen bewusst und effizient umzugehen und nur das zu schaffen, was der Mensch wirklich braucht. Wenn man sich fragt, was das ist – zum Beispiel Kleidung – dann landet man schnell bei der Frage nach den richtigen Materialien.
Wir haben uns für Wolle entschieden, weil sie ein natürlicher, nachwachsender Rohstoff ist, der kaum zu ersetzen ist. Sie erfüllt eine Funktion, die uns evolutionär fehlt – sie schützt, reguliert das Klima und pflegt sogar die Haut durch das Lanolin. In gewisser Weise ist Wolle das, was unser eigenes Haar einmal war – nur besser. Und genau da liegt für uns der Kern suffizienzorientierten Wirtschaftens: Das Naheliegende nutzen, statt ständig Neues zu erfinden.
INTERVIEWERIN
Und was macht Rymhart zu einem suffizienzorientierten Unternehmen?
Rymhart
Unser wichtigster Grundsatz ist: Nichts wegwerfen. Das war kein Managementbeschluss und keine Ideologie – es hat sich einfach so entwickelt. Irgendwann haben wir gemerkt: Wir sind ja praktisch Zero Waste, wir produzieren keinen Müll mehr.
Früher, in der klassischen Modeproduktion, haben wir jährlich rund 40 Tonnen Garn eingekauft – aber nur 30 Tonnen landeten wirklich in den Pullovern. Heute verarbeiten wir alles, bis hin zu kleinsten Garnresten. Daraus entstehen Einzelstücke wie Baby-Pullöverchen oder kleine Accessoires, die wir einmal im Jahr in einer Sonderaktion verkaufen. Dieses Jahr waren es 1.000 Teile, alle aus Resten gefertigt – und sie waren sofort ausverkauft.
Das Schönste daran: Diese Idee kam nicht vom Management, sondern aus dem Team. Die Mitarbeitenden haben angefangen, spontan zu fragen: Können wir daraus nicht noch was machen? So ist unser Zero Waste-Ansatz entstanden – aus gesundem Menschenverstand, Kreativität und Freude an der Arbeit, nicht aus einem Nachhaltigkeitskonzept auf dem Papier. Das ist zwar nicht die produktivste Arbeit, aber sie macht allen Spaß, weil sie Kreativität erlaubt und Sinn stiftet. Das kleine bisschen, das übrigbleibt, geht in den Filz, aber nichts landet im Müll.
"Unser wichtigster Grundsatz ist: Nichts wegwerfen."
INTERVIEWERIN
Was hat denn euer Unternehmen durch den Suffizienzfokus gewonnen?
Rymhart
Zuerst einmal: dass es uns überhaupt noch gibt. Wir können mit 45 Leuten weiterarbeiten – und das, ohne Schaden anzurichten. Wir machen Dinge, die ökologisch wie moralisch vertretbar sind, und das fühlt sich richtig an.
Viele Menschen arbeiten in Branchen, bei denen sie lieber nicht so genau hinschauen möchten. Bei uns ist das anders: Wir können sagen, dass wir Sinnvolles tun. Natürlich geht’s auch hier ums Einkommen – aber im Hintergrund bleibt das gute Gefühl, etwas Positives zu schaffen. Und das ist viel wert – für uns, für unsere Kinder, für die Gesellschaft.